TUD
 Türkische Umweltinitiative in Deutschland e. V.
c/o Ökochemie der TUBS, Hagenring 30, 38106 Braunschweig
 

TUD -Organisationsstruktur

Ziele

Tätigkeitsbericht

Projekt "Umweltlernen in der Einen Welt für die Eine Welt

Umweltanalytisches Laboratorium an der Selcuk Universität Konya

Stadt Konya bietet der TUD eine engere Zusammenarbeit an
 

TUD-Organisationsstruktur

Vorsitzender

Prof. Dr. mult. Müfit Bahadir (Braunschweig)

Vorstandsekretär

Ali Sökük (Dortmund

Schatzmeisterin

Sehabat Aslan (Bochum)

Wissenschaftlicher Beirat

 

 

 

 

Prof. Dr. S. A. Bahadir (Erlangen)
Prof. Dr. Ing. H.- J. Collins (Braunschweig)
Prof. Dr. A. H. Parlar (Freising)
Prof. Dr. Ing. U. Rott (Stuttgart)
Priv. Doz. A. Yenal (Berlin)

Registergericht

Amtsgericht Hildesheim 1710 (Gemeinnützig lt. Finanzamt Hildesheim 109/Dp 243)

Bankverbindung

Postgiroamt Hannover BLZ 250 100 30 Konto-Nr.: 252 52-307
 

Ziele

Der Verein "Türkische Umweltinitiative in Deutschland e.V. verfolgt den Zweck:

  • Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet des Umweltschutzes zu fördern,
  • Die Kenntnis der zunehmenden Umweltgefährdung unter den ausländischen Mitbürgern/innen insbesondere der türkischen zu verbreiten,
  • Zur Förderung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes mit kompetenten türkischen und deutschen Wissenschaftlern, Organisationen und Mitgliedern aller gesellschaftlich relevanten Gruppen zusammenzuführen,
  • Lösungen für die anstehenden Probleme im Rahmen des Umweltschutzes zu finden und sie auf regionaler und internationaler Ebene zu behandeln.

Darüber hinaus ist es beabsichtigt, eine neue WTZ (wissenschaftlichtechnische Zusammenarbeit) mit Finanzierung des BMBF unter der Projektträgerschaft des internationalen Büros des Forschungszentrum Jülich ins Leben zu rufen. Dabei werden gemeinsam mit der Abteilung Chemie, Analytische Chemie, der University of Jordan folgende Ziele verfolgt (Auszug aus dem Entwurf des Kooperationsvertrages):

Der Zweck des Vereins wird verwirklicht insbesondere durch Veröffentlichungen in türkischer  und deutscher Sprache, Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen und Forschungsvorhaben, Organisation von Aktionswochen, Herausgabe von Informationsschriften auf dem Gebiet des Umweltschutzes u. a..

Die "Türkische Umweltinitiative in Deutschland e. V." verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, überparteiliche und überkonfessionelle Zwecke. Sie ist selbstlos tätig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Interessen.

 

Tätigkeitsbericht 1996

Vorwort

Seit ihrer Gründung vor 4 Jahren (Mai 1992) verfolgt die TUD das Ziel, durch aktive Umweltaufklärung ausländischer Mitbürger aber auch durch Initiierung und Durchführung von wissenschaftlichen und umweltpädagogischen Projekten unsere Umwelt hier in Deutschland lebenswert zu erhalten und durch Wissensvermittlung in die Türkei zu einer Verbesserung der Umweltqualität in der Türkei beizutragen. Die bisherigen Tätigkeiten der TUD sind an diesen Maximen orientiert, wie sie in diesem zweiten Tätigkeitsbericht nachfolgend dargestellt werden.

Die TUD war und ist keine Massenorganisation mit vielen Mitgliedern. Sie verfolgt vielmehr das Ziel, mit wenigen, in Umweltforschung und Umweltpraxis tätigen Mitgliedern als Katalysatoren Projekte zu konzipieren und in Gang zu setzen, für diese Projekte Forschungsförderung und Finanzmittel durch die Öffentliche Hand zu akquirieren und diese mit Hilfe von weiteren Multiplikatoren erfolgreich zu betreiben. Dabei sind die TUD-Mitglieder beratend als unmittelbar aktiv tätig, d.h. die Durchführung dieser Projekte wird in Kooperationen mit weiteren qualifizierten Organisationen und Einrichtungen getätigt, wie z.B. Universitäten und Forschungseinrichtungen des In- und Auslandes, so daß deren Kapazität in die Arbeit des der TUD unmittelbar mit eingebunden wird. so findet der erwünschte know how Transfer mit einem geringen Personaleinsatz seitens der TUD statt. Daneben veranstaltet die TUD aber auch selbst Informationsveranstaltungen und Wochenendseminare, wo die unmittelbare Vereinsarbeit mit interssierten türkischen und deutschen Mitbürgern durchgeführt wird, Umweltprobleme mit Hilfe von qualifizierten Referenten aus dem universitären Umfeld angesprochen und die Fragen der Zuhörer beantwortet werden

Wir würden uns freuen, wenn unsere Bemühungen bei unseren türkischen und deutschen Mitbürgern und wissenschaftlichen Kooperationspartnern auf ein entsprechendes Interesse stoßen würde. Jede Art von Meinungsbekundung ist für uns wichtig, um uns bei unseren Bemühungen um die Erhaltung bzw. Verbesserung der Umweltqualität hier in Deutschland wie in der Türkei inspirieren zu lassen. Natürlich würden wir uns auch über jedes neue Mitglied freuen, das sich aktiv an der Gestaltung unserer aller Umwelt beteiligen und uns bei unseren Arbeiten helfen möchte.

Prof Dr. mult. Müfit Bahadir; Vorsitzender der TUD

 

Projekt "Umweltlernen in der Einen Welt und für die Eine Welt"

"Umweltschutz fördert auch das Verständnis füreinander: Türkische Umweltinitiative in Deutschland startet interkulturelles Bildungsprojekt".

Mit dieser Schlagzeile gab die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück (DBU) am 27. September 1996 ihre Presseinformationen an die Redaktionen deutscher Zeitungen und Zeitschriften heraus. Darin heißt es:

"Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Modellvorhaben "Umweltlernen in der Einen Welt und für Die Eine Welt" mit mehr als 300.000 Mark. Zunächst in Niedersachsen wird in den kommenden drei Jahren eine neue Form der Umweltbildung an Schulen erprobt: Die Türkische Umweltinitiative in Deutschland e. V. (TUD) in Hildesheim entwickelt Materialien für den Umweltunterricht, mit denen vor allem türkische Schüler und ihre Familien erreicht werden sollen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer beschloss, für diese Projekt rund 300.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Generalsekretär Fritz Brickwedde begrüßt das Projekt weil es einen wesentlichen Beitrag zur Umweltinformationsvermittlung für türkische Schüler leistet und gleichzeitig die Bereitschaft fördert voneinander zu lernen.

Ziel des Projektes ist es, so Brickwedde, interkulturelle Lernprozesse im Umweltbereich in Gang zu bringen und dadurch auch das Zusammenleben der Deutschen mit den türkischen Familien zu erleichtern. Häufig erreichen viele der in Deutschland herausgegebenen Publikationen zum Umweltschutz die ausländischen Mitbürger nur schwer. Das Projekt "Umwelt lerne in der Einen Welt und für die Eine Welt" wolle hingegen Umweltunterricht nicht nur eindimensional aus deutscher, sondern auch aus türkischer Perspektive erlebbar machen. Entsprechende Studienmaterialien sollen in der Lehrerfortbildung zum Einsatz kommen. Das Projekt will die Lehrer ansprechen, die in ihren Unterrichtsfächern umweltbezogene Fragestellungen behandeln können, so Brickwedde. Aufgrund des hohen Anteils von Schülern ethnischer Minderheiten kämen besonders Lehrer an Grundschulen, Orientierungsstufen und in der Sekundarstufe I in Betracht. Am Beispiel der TUD solle der herkunftsbedingte Umgang mit der Umwelt dargestellt und durch erlebnisorientierte Umweltschutzprojekte der gegenseitige Abbau von Vorurteilen ermöglicht werden, so Brickwedde weiter. Das von uns geförderte Projekt lädt deutsche Lehrer und Lehrer ethnischer Minderheiten zur Kooperation ein, ein umweltbewusstes Verhalten, das in deutschen und in den Familien unserer ausländischer Mitbürger gleichermaßen wichtig ist. Außerdem kann unser Projekt Anstöße für andere Initiativen im Bereich der interkulturellen Bildung liefern.

Kooperationspartner der TUD ist das Niedersächsische Landesinstitut für Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung und Unterrichtsforschung (NLI). Beratend begleiten wollen das Projekt unter anderem die UNESCO-Verbindungsstelle für Umwelterziehung des Umweltbundesamtes in Berlin und die Zentralstelle für Umwelterziehung an der Universität Essen. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Entwicklung und Erprobung sollen die erarbeiteten Materialien auch in den andren Bundesländern zum Einsatz kommen.

 

Soweit die Presseinformation der DBU. Zu dieser positiven Nachricht wollen wir hier noch einige, in der Kürze einer solchen Pressemitteilung schlecht darstellbare Zusatzinformationen nachtragen:

Dieses Projekt wird in Kooperation mit der Technischen Universität Braunschweig durchgeführt, an der der TUD-Vorsitzende Prof Dr. Bahadir, sein Institut für Ökologische Chemie und Abfallanalytik leitet. Dabei arbeitet er zusammen mit Prof Dr. Gernot Strey, Fachbereich für Erziehungswissenschaften, Institut für Biologie und Chemie sowie deren Didaktik. Als Doktorandin wurde eine Diplompädagogin, Frau Kathrin Maak-Rheinländer eingestellt, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit die Lehrerfortbildungsmaterialien ausarbeiten wird. Hierfür wird zunächst eine Bestandsaufnahme des Umweltbewusstseins von türkischen Grundschülern der Klassen 3 und 4 mit Hilfe eines Fragenkatalogs und Interviews vorgenommen. Eine Pilotbefragung mit 7 Kindern zur Überarbeitung des Fragebogens fand im November 1996 in Bielefeld statt. Die Hauptuntersuchung ist für den März 1997 an 4 Schulen in Braunschweig und einer Schule in Göttingen geplant. Die Genehmigung der Schulleiter liegt in allen Fällen vor. Mit einem deutsch-türkischen Informationsblatt an die Eltern der betreffenden Schüler wirbt die TUD für die Genehmigung der Eltern zur Teilnahme ihrer Kinder an dieser Befragung als Grundlage zur Entwicklung der Lehrerfortbildungsmaterialien. Das Projekt wird von einem Projektbeirat beraten und begleitet, in dem neben den beiden leitenden Professoren der TU Braunschweig und der TUD auch Lehrer- und Elternvertreter sowie ein türkischer Professor aus dem Bereich der Umweltpädagogik vertreten sind. Dabei handelt es sich um Prof. Ylhami Kizirninlu, Hacettepe Universität, Ankara, Dekan der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, der in Münchenstudiert und sich in der Vergangenheit besonders mit Fragen der Ökologie und Ornithologie (Vogelkunde) spezialisiert hat.

 

Umweltanalytisches Laboratorium an der Selcuk Universität Konya nimmt seinen Betrieb auf.

Durch die Initiative des TUD-Vorsitzenden und Leiters des Instituts für Ökologische Chemie und Abfallanalytik der Tu Braunschweig wurde mit Mittel des Bundesforschungsministeriums (BMBF), Bonn, an der Selcuk Universität in Konya ein Umweltanalytisches Laboratorium gegründet und ausgestattet. Mit ca. 100.000 DM Fördermitteln über das Internationale Büro des Forschungszentrums Jülich als Projektträger des BMBF wurden neben der Grundausstattung dieses Labors, wie Analysenwaage, Magnetrührer, Ultraschallbäder u.a., insbesondere Soxhlett-Extraktoren, Rotationsverdampfer, Trockenschränke, ein Gelpermeationschromatograph und ein Gaschromatograph beschafft und nach Konya versandt. Im September 1996 waren Prof. Bahadir und sein Mitarbeiter Priv.-Doz. Dr. Wilhelm Lorenz, für 17 Tage in Konya und überwachten die Installation der Versorgungseinrichtungen (Gas, Wasser, Strom) sowie die Geräte und nahmen diese in Betrieb. Bei dieser zugleich als Trainingsprogramm vorgesehenen Inbetriebnahme wurden die Mitarbeiter des Bereichs für Umweltingenieurwesen, Leiter Doc. Dr. Yüksel Burdulu, in die Bedienung und der richtigen Durchführung von Umweltanalysen unterwiesen. Die ersten Analysen umfaßten das Trinkwasser der Stadt Konya sowie des Campus wobei in ihnen durch die Chlorierung des Wassers die typischen chlorhaltigen Komponenten (Trihalomethan) nachgewiesen wurden. Zum Schluss wurde das Abwasser der Stadt Konya vom Ende der städtischen Kanalisation bis zum Eintritt diese Abwassers über ein offenes Kanalsystem in den Tuz Gölü-Salzsee nach organischen Schadstoffen untersucht.

Eine Belastung des Tuz Gölü durch die städtischen Abwässer kann z.Zt. zwar noch ausgeschlossen werden. Es ist jedoch zu vermuten, dass eine fortwährende Einleitung dieser Abwässer mittelfristig zu einer Kontamination des Sees und und damit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Salzgewinnung durch die staatliche Monopolgesellschaft führen wird. Um diesen Aspekt der langfristigen Umweltbelastung zu untersuchen, wurde mit den Kollegen an der Selcuk Universität ein Forschungs- und Untersuchungsprogramm entwickelt, wobei die Belastung des Abwassers der Stadt Konya als Tages-, Wochen- und Jahres-Ganglinien analysiert werden. Diese Arbeiten werden vom Institut des TUD-Vorsitzenden an der TU Braunschweig und mit finanziellen Mitteln des BMBF unterstützt. Es ist vorgesehen, dass jährlich ein Wissenschaftler der Selcuk Universität für 3 Monate eine Fortbildungsmaßnahme in Umweltanalytik an der TU Braunschweig unter der Leitung von Prof. Bahadir durchführt. In 1996 nahm Doc. Dr. Mustafa Pehlivan an dieser Maßnahme teil, für 1997 ist dies mit Frau Dilek Erdirencelebi vorgesehen. Die Kosten des Aufenthaltes in Deutschland werden vom BMBF übernommen. In ebenfalls jährlichen Gegenbesuchen Braunschweiger Wissenschaftler werden die Forschungsaktivitäten der Selcuk Universität gefördert.

Neben diesem know how Transfer ist noch ein weiterer Gerätetransfer vorgesehen. Dabei handelt es sich um ein analytisches Großgerät (Gaschromatographie-Massenspektrometrie-Kopplungen; preis 130.000 DM), mit dessen Hilfe unbekannte organische Umweltschadstoffe identifiziert werden können. In 1998 wird außerdem noch ein internationaler Kongress über Umweltforschung an der Selcuk Universität zusammen mit der TU Braunschweig veranstaltet, der zum Ziel hat, die Umweltforschungsaktivitäten in dieser Region (Türkei, Ägypten, Jordanien, Israel u. a.) zusammenfassend darzustellen und ggf. Kooperationen zwischen den Aktiven Wissenschaftlern aufzubauen. Auch für diesen Kongress werden Finanzmittel des BMBF akquiriert

Mit diesen Maßnahmen wird die Selcuk Universität einen vorderen Rang bei umweltchemischer Forschung der Türkei und als Referenzlaboratorium für die Region tätig werden.

 

Stadt Konya bietet der TUD eine engere Zusammenarbeit an.

Anlässlich seines Aufenthaltes an der Selcuk Universität Ende September 1996 kam Prof. Bahadir auch mit dem Oberbürgermeister der Stadt Konya, Herrn Doc. Dr. Halil Ürün, und seinen für Abfall- und Abwasserfragen zuständigen Dezernenten in Kontakt. Halil Ürünbat dabei die TUD um Mithilfe bei der Entscheidungsfindung für die zukunftsträchtigen Investitionen zur Errichtung einer neuen, nach dem Stand der Technik konstruierten Abfalldeponie sowie der Sanierung der z.Zt. betriebenen umweltschädlichen Müllkippe, ebenso für die Errichtung einer zentralen biologischen Kläranlage für die Stadt.

Zur Zeit werden die kommunalen Abwässer der Stadt Konya zusammen mit Industriewässern zwar in einer Kanalisation gesammelt aber ungeklärt und nach Vermischung mit Flusswasser über ein offenes Kanalsystem zum 120 km entfernten Tuz Gölü abgeleitet. Aufgrund der enormen Länge dieses Kanals stellten sich biologische Abbauprozesse für organische Schadstoffe wie in einer Kläranlage ein. Allerdings werden die Schwermetalle und schwer abbaubaren organische Verunreinigungen dabei nicht abgebaut, sondern im Sediment abgelagert bzw. bis zum Tuz Gölü transportiert. Auch nutzen die Bauern dieses vermischte Abwasser zur Bewässerung ihrer Felder, was eine zusätzliche Gefahr des Schadstofftransfers in die Nahrungskette bedeutet. Der Bau einer biologischen Kläranlage soll diesen Problemen vorbeugen. Für den Betrieb sind analytische Untersuchungen der Einleiter (Industrieabwässer) erforderlich, die von dem gegründeten Umweltlabor an der Selcuk Universität durchgeführt werden sollen. Die aus dem Ausland eingehenden Angebote zum Bau einer kommunalen Kläranlage in Konya wird durch Vermittlung der TUD von auf diesem Gebiet ausgewiesenen, deutschen Wissenschaftlern begutachtet, damit diese Investition tatsächlich dem Stand der Technik und den Bedürfnissen der Stadt Konya entspricht. Ein erstes Angebot wurde bereits begutachtet und als nicht zeckmässig erkannt.

Die gegenwärtige Müllkippe der Stadt Konya entspricht in keiner Weise den Anforderungen einer umweltgerechten Abfalldeponierung. Dabei handelt es sich um eine ungeordnete Deponie ohne Basisabdichtung und ohne Sickerwasser- bzw. Gasfassung. Erhebliche aerobe und anaerobe Stoffumsetzungen in den, mit industriellen Abfällen vermischt abgelagerten, häuslichen Abfällen führt zur Selbsterhitzung und letztlich zu Deponiebränden. Dass gerade die unkontrollierte Verbrennung von Siedlungsabfällen bei ungenügenden Temperaturen und fehlender Abgasreinigung zu einer erheblichen Dioxin-/Furan-Bildung führt, ist inzwischen in Deutschland ein Allgemeinwissen, was dort jedoch leider noch auf Bildungsdefizite hinweist. Mehrere Arbeiter separieren die industriell verwertbaren Müllbestandteile mit ungeschützten Hände. Wie wir beim Nachfragen erfahren konnten, werden PET-, Kunststoff- und Metallfraktionen für die Recyclingindustrie gesammelt. Besonders problematisch ist aber das Sammeln von Knochen, Tierabfällen und Kadavern, die dort nicht in Abdeckereiensondern auf der Deponie landen, für die Kraftfutterherstellung. Auf der Deponie befand sich eine Rinderherde, die Grün- und Küchenabfälle aus dem Abfallhaufen heraus fraßen. Unmittelbar neben dem Deponiegelände befindet sich  eine Musterfarm des Ministeriums für Dorfentwicklung sowie der Viehmarkt und der Schlachthof der Stadt Konya. Somit schließt sich der Kreislauf der Schadstoffanreicherung in der Nahrungskette. Die Stadt plant den Bau einer geordneten Deponie mit Basisabdichtung und Sickerwasser- und Gaserfassung. Sie hat jedoch keine Vorstellung, in welcher weise eine Sanierung der bestehenden Deponie in frage kommt bzw. durchgeführt werden soll. Auch ist ihr die Problematik der Dioxinbildung bei Deponiebränden und Schadstoffanreicherung durch Milch und Fleisch dieser Rinder und der mit Kraftfutter gemästeten Tiere nicht bewusst. Hier kann und wird die TUD mit Hilfe der an der Selcuk Universität geschaffenen Forschungskapazität eine wesentliche Rolle spielen. Erste anfragen der betreffenden Direktoren der abfall- und Abwasserwirtschaft der Stadt an die Kollegen von der Selcuk Universität wurden in Anwesenheit von Prof. Bahadir ausführlich diskutiert. Eine künftige Zusammenarbeit dieser beiden, von der TUD beratenen Einrichtungen bahnt sich inzwischen an.